Auwälder zählen zu den artenreichsten terrestrischen Ökosystemen Europas. Besonders dynamische Flussauen entlang von Schwemmlandflüssen wie der Isar zeichnen sich durch hydrologische Dynamik, starkes Gefälle sowie intensiven Sedimenttransport aus. In Mitteleuropa wurden solche Systeme jedoch durch Landnutzung, Wasserkraft und Hochwassermanagement stark verändert. Gleichzeitig bestehen vielfältige gesellschaftliche Nutzungsansprüche an diese sensiblen Lebensräume.
Trotz umfangreicher Regulierungen – Begradigung, Mittlerer Isarkanal, Durchquerung städtischer Räume – gilt die Isar im nördlichen Alpenvorland als eines der naturnahesten Fließgewässer. Sie wird von einem bis zu 1,5 km breiten Auwaldband begleitet, von dem 2020 rund 2.300 ha als Naturwald ausgewiesen wurden. Unklar bleibt, wie sich diese Flächen unter weiterhin veränderten hydrologischen Bedingungen entwickeln.
Das Projekt untersucht, wie Landnutzung, menschliche Eingriffe und veränderte Hochwasserdynamik die Biodiversität beeinflussen, mit Fokus auf die trophische Kette von Bodenvegetation über Moose bis zur Fauna. Ziel ist die Analyse der Wechselwirkungen zwischen strukturellen Eigenschaften (Baumarten, Nutzung), physischen Faktoren (Hydrologie, Standortklima) und Biodiversität. Zudem sollen Bioindikatoren, etwa epiphytische Moose in Überflutungsbereichen, Rückschlüsse auf hydrologische Dynamik ermöglichen. Die Ergebnisse dienen der Entwicklung differenzierter Managementstrategien und der Bewertung prozessorientierter Schutzansätze in Auwäldern.
